Sichelhengetse 2018 (26.08.2018)

aus Mühlacker Tagblatt vom 27.08.2018 Ausgabe 197 von Eva Filitz

Kraftakt dient der Brauchtumspflege

Der Gesangverein Frohsinn Schützingen lässt mit seiner "Sichelhengetse" alte Tradition lebendig werden.

Zum vierten Mal fand am Sonntag in Schützingen ein Fest statt, das altes Brauchtum aufleben lässt und sich großer Beliebtheit erfreut. Eingeladen hatte der Gesangverein Frohsinn Schützingen aus Gelände an der Festhalle. "Urschwäbisch ist der Name für unser Fest: Sichelhengetse", sagte die Landwirtin Gudrun Ebser, die die Idee dazu hatte und die Bedeutung erläuterte. "Die Sicheln oder Sensen nach getaner Erntearbeit auf dem Feld und in der Scheune an die Wand zu hängen und diesen Abend festlich mit Gesang, Essen und dem Dank für die Ernte ausklingen zu lassen, das war für lange Zeit unsere ganz selbstverständliche Sichelhengetse." Auch Dorothea Zaiß erinnet sich an solche Abende auf dem großelterlichen Hof. "Sonst gab es immer nur Most zu trinken, an diesem Abend aber ausnahmsweise Bier." Nicht Ähren, sondern Trauben bestimmen nun ihren Alltag. "Morgen beginnen wir mit der Lese", sagte sie.

Dank gesagt für die diesjährige Ernte hatte Pfarrerin Sigrid Telian im Gottesdienst am Morgen, in dem sie auch auf die außergewöhnliche Trockenheit einging.

Im Anschluss wartet auf die kleinen Besucher des Fests ein Luftballonwettbewerb. Wer den weitesten Flug verzeichnen konnte, erhielt als Preis eine Ponyreitstunde auf dem Pferdehof Weigel. Luise Lüttmann und ihr Ehemann boten Kräutersalzstampfen in kleinen Mörsern an. Das Ergebnis durfte im hübsch verzierten Glas mit nach Hause genommen werden.

Hatte der Veranstalter im ersten Jahr noch eine "Dreschergruppe" engagiert, die mit Holzflegeln zeigte, wie mühsam es war, das Korn aus den Ähren zu dreschen, so haben inzwischen gestandene Mannsleut' aus dem Verein diesen Showpart übernommen. Manfred Pfeil, Martin Gaupp und Helmut Oehrle zeigten als "Flegel-Trio", was sie so drauf haben. "Bei dem Tempo drescht ihr im Winter noch", meinte skeptisch Moderatorin Brigitte Hetzel zu dem Kraftakt, an dem sich auch eine Besucherin versuchsweise beteiligte. "Wir führen dann noch ein ,Schirmtänzchen' mit unseren neuen grünen Regenschirmen auf", freute sich Hetzel auf einen weiteren Programmbeitrag. "Den Regen wollen wir jetzt nicht herbeisingen, aber nach unserem Fest ist er dann höchst willkommen."

Die angekündigte Drehorgel fiel wegen technischer Probleme leider aus. Doch auch ohne deren Taktvorgaben fanden sich die Gäste in einem großen Chor zusammen und sangen bekannte Lieder. "Das Wetter ist großartig, bis in die frühen Abendstunden werden wir sicher beisammensitzen. Mehr Besucher erwarten wir noch zur Kaffeestunde", sagte Ursula Pfeil vom Gesangverein Frohsinn. Eifrig hätten die Chormitglieder gebacken und viele Kuchen und Torten gespendet. "Es ist ein schönes Miteinander unter uns Sängern, jeder packt da an, wo es nötig ist", sagte Pfeil und ging als Kassiererin mit gutem Beispiel voran. Eifrig druckte ihre Kasse die gewünschten Essensmärkchen aus, die dann die Helfer in Küche und Service auf Trab hielten. Rundum zufriedene Gäste waren der Lohn für den Einsatz.

Bilder von Brigitte Hetzel und Frank Rosenthal

 

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